Wechseln

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"Ich habe meine Entscheidung nie bereut. Ich fühle mich viel glücklicher, weil ich das, was ich studiere genieße."

     Dineo Sithole, wechselte von International Taxation and Law zu International Relations

Eigentlich studierst Du gerne, aber Du zweifelst am Studienfach oder an der Hochschule?

Vielleicht hast Du ein Studienfach gewählt, das nicht zu Dir und Deinen Interessen und Fähigkeiten passt. Oder Du bist an der falschen Hochschule, denn Du fühlst Dich am Studienort nicht wohl oder die Hochschule hat nicht den passenden Schwerpunkt. In diesen Fällen solltest Du Dir überlegen, ob ein Wechsel des Studienfaches oder der Hochschule eine Möglichkeit für Dich wären.

Janina: Vom Studium der Politikwissenschaft an einer Fernuniversität zum Studium Soziale Arbeit an der Hochschule Niederrhein

Ich habe mich damals für ein Studium der Politikwissenschaften, Verwaltungswissenschaften und Soziologie an einer Fernuniversität entschieden, weil ich die Studienorganisation sehr ansprechend fand: flexible Studienzeiten und -orte (und damit ausreichend Zeit, um nebenbei zu arbeiten und zu reisen), Lernen so wie es für mich am besten gepasst hat. Inhaltlich habe ich mich schon vor dem Abitur für die Studienrichtung interessiert, auch wenn ich im Nachhinein denke, dass ich es ein wenig zu optimistisch in Bezug auf die Berufschancen bewertet habe.

Nachdem ich anfänglich gut mit dem Studium vorangekommen bin, ließ die Euphorie nach ein paar Semestern nach, denn die Flexibilität und Studienorganisation, die rein online vonstattenging, setzte mir immer mehr zu: Die Erreichbarkeit der Dozenten war zunehmend schwierig und Probleme, die man in einem kurzen persönlichen Gespräch hätte klären können, zogen sich über Wochen hin. Hinzu kamen sehr starre Vorgaben zu den Prüfungen: So bedeutete Krankheit zu dieser Zeit am Prüfungstag nicht nur das Durchfallen durch die Prüfung, sondern auch noch eine saftige Strafzahlung. Als die Universität dann noch mein Studium umstrukturierte und ich Module, die ich schon einmal ähnlich belegt hatte, wiederholen musste, wurde das Studium für mich immer mehr zum Stressfaktor.

Einen Studienwechsel habe ich dennoch lange nicht erwogen und immer zugunsten des Gedankens „Es sind ja nur noch wenige Module“ verschoben. Andererseits habe ich mich mit jeder bestandenen Prüfung mehr vor der Bachelor-Arbeit gefürchtet, denn wenn es schon so schwierig war, eine zufriedenstellende Hausarbeit abzuliefern, wie sollte es dann mit der Abschlussarbeit werden? Und: Was sollte ich nach dem Abschluss konkret damit anstellen?

Nichtsdestotrotz stand im Frühjahr 2015 stand für mich fest, dass ich das Studium nicht zu Ende machen möchte. Die Entscheidung war insbesondere deshalb nicht leicht, weil mir nur noch zwei Teilmodule und die Bachelor-Arbeit fehlten und ich immer den Anspruch an mich selbst gestellt hatte, bloß nicht aufzugeben.

Ich stand dann vor der Entscheidung: neues Studium oder Ausbildung?

Letztlich habe ich mich gegen eine Ausbildung entschieden, auch wenn die – gerade finanziell – auf den ersten Blick lukrativer erschien. Was mich davon abgehalten hat, waren die Erfahrungen in den Nebentätigkeiten, die ich seit der Volljährigkeit ausgeübt habe: Ich wollte mit Menschen arbeiten und sie nicht nur als Nummer in einem System sehen. Ich wollte außerdem weiterhin wissenschaftlich arbeiten.

Durch meine Hochzeit und den Umzug ins Eigenheim aufs Land, bot sich mir plötzlich auch geographisch eine Alternative: die Hochschule Niederrhein mit dem Fachbereich Sozialwesen, an dem ich letztlich „fündig“ wurde – Soziale Arbeit. Das zur Zulassung notwendige Grundpraktikum habe ich dazu genutzt, zu schauen, ob ich mir wirklich vorstellen kann, langfristig in dem Beruf zu arbeiten. Konnte ich. Wollte ich.

Natürlich habe ich für diese Entscheidung auch Kritik erfahren: Wie konnte ich nur so kurz vor dem Abschluss noch einmal neu beginnen wollen? In der Mitte meiner Zwanziger, in der die meisten schon beruflich Fuß fassen oder Fuß gefasst haben?

Mein größter Kritiker war ich allerdings die ganze Zeit selbst.

Ich bin mir sehr sicher, dass ich den Schritt nicht ohne die Unterstützung meines Mannes gegangen wäre, der mich – seit wir uns kennen und bis heute – bei jeder schwierigen Entscheidung und in jeder Lebenslage unterstützt und bestärkt. Er hat recht, wenn er sagt, dass ich mit der Entscheidung leben können muss. Dabei spricht er aus Erfahrung, da er nach seinem Erststudium ebenfalls noch einmal eine Ausbildung gemacht hat und mit diesem zweiten Weg sehr erfolgreich ist.

Ich habe gedacht, dass ich aufgebe und verliere, wenn ich mein Erststudium an den Nagel hänge und noch einmal neu beginne. Jetzt, während ich meine Bachelor-Arbeit schreibe, weiß ich: Ich habe gewonnen – Erfahrungen, Lebensqualität und eine neue Zukunft.

Für internationale Studierende ist der Wechsel von Studiengang oder Hochschule ebenfalls möglich. Hier ist jedoch eine Zustimmung der Ausländerbehörde notwendig. In der Regel ist es innerhalb der ersten drei Semester kein Problem. Studierst Du aber schon länger, dann prüft die Ausländerbehörde genauer, ob Du in einem bestimmten zeitlichen Rahmen Dein Studium abschließen kannst.